Frauen und Rauchen

Rauchverhalten von Mädchen und Frauen

Das Rauchverhalten von jungen Mädchen und Frauen hat in den letzten 20 Jahren drastisch zugenommen.
Wenn Frauen wie Männer rauchen, werden sie auch wie Männer sterben und damit ihre bislang erhöhte Lebenserwartung von sieben bis acht Jahren einbüßen. Diese Aussage ist noch optimistisch im Gegensatz zu ersten Untersuchungen, in denen festgestellt wird, dass Frauen hinsichtlich der Toxizität von Zigarettenrauchen vulnerabler sind als Männer und daher eine höhere Morbidität und Mortalität entwickeln werden.

Baby und Schwangerschaft

Um diesen drastischen Entwicklungen Einhalt zu gebieten, haben sich Frauen in der ganzen Welt zu einem International Network of Women against Tobacco (INWAT) zusammengeschlossen. Im Frauennetzwerk arbeiten vor allem Expertinnen aus Wissenschaft, Medizin, Psychologie, Gesundheitspolitik und Öffentlichkeitsarbeit. Der gegenseitige Austausch von wissenschaftlichen Ergebnissen, jedoch auch von Konzepten für Öffentlichkeitsarbeit, wird dabei unterstützt.

Der Homepage von INWAT können weitere Informationen entnommen werden.

Ein besonderes Problem stellt das Rauchen in der Schwangerschaft dar.

Rauchen und Schwangerschaft

Sowohl das Rauchen während der Schwangerschaft als auch nach der Entbindung erhöht das Risiko für den plötzlichen Säuglingstod (SIDS) deutlich. Bei einem täglichen Konsum der werdenden Mutter von mehr als 10 Zigaretten erhöht sich das Risiko für SIDS auf das 7fache. In den ersten neun Monaten nach der Geburt ist das Risiko des plötzlichen Säuglingstodes bei Kindern, deren Mütter während der Schwangerschaft geraucht haben, um das 8-16fache höher als bei Kindern, deren Mütter rauchfrei waren.

Gefahren des Rauchens für das ungeborene Kind

Es besteht ein erhöhtes Risiko für:

  • Spontanaborte
  • Extrauterinschwangerschaft
  • Plazentaablösung
  • Frühgeburten
  • Vorliegende Plazenta
  • Vorzeitiger Blasensprung
  • Geringes Geburtsgewicht, kleinerer Kopfumfang und vermindertes Längenwachstum
  • Totgeburten
  • Geburtsdefekte
  • Höhere Anzahl von Nikotinrezeptoren im Gehirn
  • Höhere Wahrscheinlichkeit des Tabakkonsums im Teenageralter
  • Mögliche physische und psychische Langzeitwirkungen

Passivrauchen in der Stillzeit, im Säuglings- und Kindesalter erhöht darüber hinaus das Risiko für:

  • Störungen des Allgemeinbefindens wie Bauchweh, Schwindel, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen
  • Plötzlichen Säuglingstod (SIDS)
  • Akute und chronische Mittelohrentzündungen
  • Erkrankungen der unteren Atemwege wie Lungenentzündungen, Bronchitis und Bronchiolitis
  • Akute und chronische Atemwegssymptome einschließlich Atemnot, Auswurf, chronischen Husten, pfeifende Atemgeräusche und vermehrte Asthmaanfälle
  • Entwicklung von Asthma sowie Verschlimmerung bereits bestehender Krankheitssymptome
  • Verzögertes Wachstum der Lungen, verminderte Lungenfunktion
  • Verzögerte Lautentwicklung
  • Eingeschränkter Geruchssinn
  • Übergewicht bzw. Adipositas
  • Entstehung von Karies bei den kindlichen Milchzähnen
  • Verhaltensauffälligkeiten
  • Erbgutschädigungen und mutmaßlich für Krebserkrankungen
  • Hirnhautentzündung
  • Narkosekomplikationen
Raucherinnen weisen eine geringere Milchproduktion auf als Nichtraucherinnen.
Frauen, die während der Schwangerschaft geraucht haben, stillen durchschnittlich nur fünf statt zehn Wochen.
Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft geraucht haben, weisen vermehrt Verhaltensauffälligkeiten auf.

Bei Kleinkindern von Rauchern haben US-amerikanische Forscher erhöhte Werte von krebsauslösenden Substanzen im Urin gefunden. Bei rund der Hälfte der untersuchten Babys, die zu Hause oder im Auto Zigarettenrauch ausgesetzt waren, entdeckten die Forscher die krebserregende Substanz NNAL. Dieser Stoff ist ein giftiges Abbauprodukt und damit ein Merkmal für einen der wichtigsten Krebsauslöser des Tabaks, das Nitrosamin NKK.

Weitere Information zu individuellen Risiken ist der Publikation "Passivrauchende Kinder in Deutschland – frühe Schädigungen für ein ganzes Leben" (PDF) zu entnehmen. Das Heft kann kostenfrei beim Rauchertelefon des DKFZ oder unter who-cc@dkfz.de bestellt werden.

Telefonnummern:

  • Rauchertelefon des DKFZ (06221) 42 42 00 (Mo–Fr von 14.00 -18.00 Uhr).Das Rauchertelefon des DKFZ führt auch Rauchstopp-Beratungen für Schwangere durch.
  • Info- und Beratungstelefon für die Prävention des Plötzlichen Säuglingstodes, für Schwangere und Junge Eltern. Beratung Di-Do 8.00 - 10.00 Uhr, Di 16.00 – 18.00 0180 50 99 555 (12 Cent pro Minute).
  • Rauchertelefon der BZgA: 01805 31 31 31 (Mo-Do 10.00 – 22.00 Uhr, Fr-So 10.00-18.00 Uhr).
Eine sehr gute Selbsthilfeinformation ist die Broschüre der BZgA: „rauchfrei in der Schwangerschaft - Ich bekomme ein Baby", Bestellnummer 31 500 000 zu bestellen unter 0221/892-280 oder Ostmerheimer Str. 220, 51109 Köln, oder hier.

Die Broschüre „rauchfrei - Der Elternratgeber: Das Bay ist da", Bestellnummer 31 510 000, BZgA, kann unter der selben Adresse bestellt werden, oder hier.

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Dieser Text stammt aus einer externen Quelle, vom WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle im Deutschen Krebsforschungszentrum, Heidelberg: http://www.tabakkontrolle.de/index.php?firstid=37317

Fallbericht: Rauchen und Schwangerschaft

Die 15 jährige Janine P. (Name geändert) stellt sich mit einer ungewollten und unerwarteten Schwangerschaft zum ersten Mal im 5. Monat in der Frauenarztpraxis vor. Das Drama, zunächst groß, da der Zeitpunkt zum Schwangerschaftsabbruch verpasst ist, wird nach Akzeptanz der Tatsachen deutlich kleiner.

Der weitere Schwangerschaftsverlauf ist geprägt um Diskussionen um das kleine Kind. Die speziellen Ultraschalluntersuchungen zeigen eine mäßig gute Versorgung des wachsenden Babys bei reichlich Zigarettenkonsum der jungen Schwangeren.

Die Ernährung relativ unausgewogen bestimmt von Fast – Food und Kebap.

Der tägliche Zigarettenkonsum bei 20 – 25 zugegebenen Zigaretten pro Tag.

Vielfache Ermahnungen fruchten wenig bis nichts.

3 Wochen vor dem Entbindungstermin stellt sich die junge Mutter notfallmäßig in der Praxis vor, sie verspürt seit 1 Tag keine Kindsbewegungen mehr. – Tatsächlich der Fet ist im Bauch abgestorben!!!

Es wird eine, für alle Beteiligten, die nervenbelastende Normalgeburt eingeleitet. Am zweiten Tag der Einleitung kommt es zur Spontangeburt des toten Mädchens.

Ein lehrreiches Beispiel??

Dr. Jörg Angresius
Facharzt für Frauenheilkunde & Geburtshilfe
Stummstraße 2
66538 Neunkirchen